Karfreitag fiel der Bass, Ostersonntag das Pontifikat.

Nicht das wir besonders religiös wären, aber uns war diese Info doch eine Randnotiz wert. Zumal wir uns diesen aussergewöhnlichen Turn-Out an einem Osterwochenende nie und nimmer vorgestellt hätten.

Doch halt, lasst uns doch mal von ganz vorne beginnen.

Das Konzept

In Zeiten von konflikscheuen Gefälligkeits-Bookings, wiederkehrenden Partykonzepten und gleichbleibenden Line-Ups lechzt die hiesige Szene nach Unbekanntem. Das Wort „Novum” wird dabei gross geschrieben und so überrascht es kaum, dass Konzepte wie Face-2-Face, Triangle oder gar Kaffi-Gipfeli-Raves das Licht der Welt erblicken.

So soll es auch sein! Die elektronische Musikszene lebt von Dynamik und Metamorphose, wie könnte es auch anders sein?

Auch wir mussten etwas einfallen lassen, um die Massen für einen nächtlichen Aufenthalt in Wollyhood zu überzeugen. Es ist allgemein bekannt, dass sich das limmatstädtische Völkchen als eher launisch erweist, sobald es aus den inneren Stadtkreisen hinausmuss.

So verdanken wir Gingers Frauchen die geniale Idee eines Würfel-b2b, wo die eingeladenen Künstler erst kurz vor ihrem Set erfahren, wem sie für die nächsten Stunden zugeteilt wurden.

Die Vorbereitung

So gut die Idee, so schwierig dessen Konzeption, da enorm viel Vorbereitung für dessen Umsetzung nötig war. Zunächst mussten wir uns die Fragen stellen, welche DJ’s überhaupt in Frage kamen. Schnell kam dabei heraus, dass wir uns in schnelleren BPM’s orientieren würden, da dies aktuell in der Roten Fabrik im Trend lag.

Alsbald folgten die ersten Booking-Anfragen und gleich die nächste Herausforderung: Die Vorbereitung seitens der DJ’s. Auch wenn jeder anständige DJ eine so grosse Bibliothek haben sollte, dass er oder sie sich schnell anpassen kann, so reden wir bei 10 verschiedenen Artists von einer ganz anderen Dimension.

Somit musste ein Studio gefunden werden, damit sich alle für einen Abend im voraus wenigstens musikalisch kennenlernen durften. Diesbezüglich ein grosses Dankeschön an die Reduit-Crew, welches hierfür seine Gemächer zur Verfügung stellte!

Kunst trifft Techno

Das Würfel b2b mag zwar eine schöne und innovative Sache sein, aber allein damit hätten wir unseren Stempel in der Stadt noch nicht vollständig aufgedrückt. Menschen aus allen Ecken an unseren Veranstaltungen zusammenzubringen ist nicht irgendeine Palaver, wie es so viele anderen nutzen, sondern wir versuchen dies auch aktiv umzusetzen.

So schwirrte schon lange die Idee einer Ausstellung in der Luft und mit den Räumlichkeiten der Roten Fabrik, konnte diese endlich umgesetzt werden. Nach einer Verlosung auf unserer Website hatte wir die Qual der Wahl und wetteiferten um die eingegangen Werke der Künstler.

Währenddessen tüftelte unser IT-Mann und DJ-Eigengewächs an einer Umsetzung für die visuelle Erscheinung der Künstlerpaarungen, welches am Abend selbst hinter dem DJ-Pult auf der Leinwand erscheinen sollte. Für die dekorativen Elemente suchten wir uns Hilfe innerhalb der ZhdK und konnten auch hier auf tatkräftige Unterstützung zählen.

Der digitale Würfel

Um dem Zufall eine würdige Bühne zu geben, wurde eigens für diesen Abend eine Würfel-App programmiert. Ein 3D-Würfel mit den Gesichtern der DJs auf jeder Seite, per Knopfdruck rollte er und entschied, wer als Nächstes hinter die Decks tritt. Das Publikum konnte den Timetable live auf dem Handy mitverfolgen, synchronisiert über eine Appwrite-Datenbank.

Der Abend

Viele Stunden, Schweiss und Tränen später war der langersehnte Abend endlich vor der Tür. In bester LuLa-Manier wurden die Künstler mit Goodie-Bags begrüsst, während die ersten Gäste eintrudelten.

Gleich im Eingangsbereich wurde man von diversen Gemälden und Skulpturen willkommen geheissen, begleitet von den Melodien des ersten b2b im Hintergrund. Der Abend entfaltete sich immer mehr und man wechselte stets zwischen Ausstellung und Tanzfläche, zwischen neugierigen Blicken auf Leinwände und dem Drang, sich dem wachsenden Puls der Musik hinzugeben.

Gespräche entstanden beiläufig, verloren sich wieder im Bass, nur um wenig später an der Bar neu aufzuflammen.

buehne 01
buehne 02
buehne 03
buehne 04
buehne 05
buehne 06
buehne 07
buehne 08
buehne 09
buehne 10
buehne 11
buehne 12
buehne 13
buehne 14
buehne 15
buehne 16
buehne 17
buehne 18
buehne 19
buehne 20
buehne 21
buehne 22
buehne 23
buehne 24
buehne 25
buehne 26
buehne 27
buehne 28
buehne 29
buehne 30
buehne 31
buehne 32
buehne 33

Ein geteilter Moment

Irgendwann war der Abend kein Programm mehr, sondern ein Zustand. Zeit löste sich auf, die Räume atmeten gemeinsam.

Und all das was vorher noch nach Aufwand, Schweiss und Zweifel gerochen hatte, fühlte sich nun nach genau dem an, wofür es gedacht war: ein geteilter Moment, roh und doch erstaunlich elegant.

The link has been copied!